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	<title>Eva Stern schnelllaeufer.de &#187; Sein und Werden</title>
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		<title>Latein ist nicht Latein</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 08:32:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er kam, sah und wechselte das Studienfach. Beim Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen entgleiten manch hoffnungsfrohem Bildungsaspiranten die Gesichtszüge: Lateinkenntnisse als Voraussetzung für den Abschluss des Studiums? Die werden nach wie vor in einigen Fächern verlangt. Auch wenn viele dachten, das hätte sich auf wundersame Weise mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge erledigt.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>
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</a>
Er kam, sah und wechselte das Studienfach. Beim Blick in die Studien- und Prüfungsordnungen entgleiten manch hoffnungsfrohem Bildungsaspiranten die Gesichtszüge: Lateinkenntnisse als Voraussetzung für den Abschluss des Studiums? Die werden nach wie vor in einigen Fächern verlangt. Auch wenn viele dachten, das hätte sich auf wundersame Weise mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge erledigt.</strong></p>
<p>„Das ist ja keine Schikane. Man benötigt für bestimmte Fächer einfach Lateinkenntnisse. Wer zum Beispiel Geschichte studiert, kann nicht sagen, ich brauche kein Latein. Urkunden sind nun mal lateinische Quellen. Und die sollte man lesen und verstehen können“, sagt Franz Martin Scherer vom Seminar für Klassische Philologie an der Universität Heidelberg. Zwar gibt es keinen verbindlichen Katalog an Studienfächern, die Lateinkenntnisse voraussetzen. Die Unterschiede zwischen den Universitäten sind enorm. Und selbst an ein und derselben Universität können die Anforderungen je nach gewünschtem Abschluss variieren. Aber für das Studium der Philosophie, der Deutschen Philologie, der Romanischen Philologie, der Archäologie, der Geschichte oder der Theologie und Religionswissenschaft sind an vielen deutschen Hochschulen irgendwann im Studienverlauf Lateinkenntnisse erforderlich. Weitere heiße Kandidaten sind generell alle (kultur)historischen Fächer wie Musikwissenschaft und  Kunstgeschichte, bisweilen aber auch Anglistik. „Überrascht sind aber nach wie vor zahlreiche Studierende darüber, dass sie für Medizin, Zahnmedizin und Rechtswissenschaft kein Latinum benötigen“, sagt Bernhard Einig von der Abteilung Studium und Lehre der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.<br />
Die Vereinheitlichung des europäischen Hochschulbetriebs im Zuge der Bologna-Reform haben viele Universitäten genutzt, die Studienordnungen zu entrümpeln. „Wir haben explizit und mit Nachdruck darauf geachtet, dass nur in solchen Fällen Sprachkenntnisse verlangt werden, wo diese für das erfolgreiche Absolvieren des Studiums zwingend erforderlich sind. Das gilt für die alten Sprachen genau so wie für neue, moderne Fremdsprachen“, betont Einig. Und auch die Universität Heidelberg bestätigt, dass mit der Umstellung von Magister und Diplom auf Bachelor die Zahl der Studiengänge zurückgegangen ist, die Lateinkenntnisse oder das Latinum verlangen. „Die Anforderungen in Latein sind zurückgegangen; bis auf wenige Ausnahmen reicht der Nachweis geringerer Kenntnisstufen als vor der Reform“, heißt es dazu aus der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.<br />
Wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Angehende Studenten sind deshalb gut beraten, die Studien- und Prüfungsordnungen genau unter die Lupe zu nehmen. Werden Grundkenntnisse, vertiefte Lateinkenntnisse oder das Latinum verlangt und wie sind diese Anforderungen definiert? Wie und bis wann muss man sie nachweisen: durch Klausuren während des Studiums, eine universitätsinterne Prüfung, eine bestimmte Anzahl nachgewiesener „Lateinjahre“ in der Schule, das Abiturzeugnis oder &#8211; dementsprechend &#8211; die staatliche Ergänzungsprüfung? Gibt es Alternativen, die Latein ersetzen könnten, eine moderne Fremdsprache etwa? Werden Lateinkenntnisse in jedem Fall verlangt oder nur bei der Wahl bestimmter Schwerpunkte innerhalb eines Faches? Bestehen unterschiedliche Lateinanforderungen für die möglichen Abschlüsse Bachelor, Master oder Lehramt oder für Haupt- und Nebenfach? Auf Nummer sicher geht, wer sich Auskünfte von den jeweiligen Fachstudienberatern schriftlich geben lässt.<br />
„Das Thema Lateinkenntnisse spielt in Beratungsgesprächen – vor allem in den Geschichts- und Kulturwissenschaften – immer noch eine große Rolle“, sagt Peter Hell, Studienberater an der Universität des Saarlandes. Kein Wunder: Fehlende Fremdsprachenkenntnisse erwirbt man nicht mal so nebenbei. Der Arbeitsaufwand ist enorm und wird gern unterschätzt. Hell empfiehlt, möglichst schon im ersten Semester oder sogar vor Studienbeginn mit einem Sprachkurs zu beginnen. Denn in einigen Studiengängen ist der weitere Studienfortschritt etwa ab der Mitte des Studiums vom Nachweis der erbrachten Lateinkenntnisse abhängig. Außerdem muss man die Latein-Prüfungen unter Umständen wiederholen. Die Exmatrikulation wegen Überschreitens der Studienzeit müssen Nachholer zwar nicht befürchten, weil in vielen Fällen ein „Sprachbonus“ von bis zu zwei Semestern gewährt wird oder für bestandene Sprachprüfungen Credit Points vergeben werden, die als Studienleistung anerkannt werden. Aber jedes Semester mehr kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld – insbesondere in Ländern, die Studiengebühren erheben wie Baden Württemberg.<br />
„Für die Hochschulbildung ist sehr viel getan, wenn man das Latinum bereits in der Schule erwirbt. Das kann man nicht oft genug betonen“, sagt Wolfram Brinker vom Seminar für Klassische Philologie an der Universität Mainz. Widersprechen wird ihm da wohl niemand.</p>
<p><em>Eva Stern | Foto: M.E./<a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">Pixelio.de</a></em></p>
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		<title>Totale Vernetzung</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 20:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Nervensystem]]></category>
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		<category><![CDATA[Neurowissenschaften]]></category>

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		<description><![CDATA[Fünf Buchstaben verändern die Welt. Die Vorsilbe „neuro“ verbreitete ihren Glanz zuerst in Laboren und Studierstuben: Aus Biologen wurden Neurobiologen, aus Pädagogen Neuropädagogen, aus Informatikern Neuroinformatiker. Der Hype „die Nerven betreffend“ macht auch vor Chemikern, Linguisten, Philosophen, Physikern oder Ökonomen nicht Halt. Dann der Ritterschlag im Feuilleton: Spätestens mit der Diskussion um den freien Willen eroberten neurowissenschaftliche Erkenntnisse und Fragestellungen die Welt jenseits der Universitäten.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a title="Gehirn" href="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/11/Schädel_Text.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-624" title="Schädel_Text" src="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/11/Schädel_Text-300x291.jpg" alt="Schädel_Text" width="300" height="291" /></a>Fünf Buchstaben verändern die Welt. Die Vorsilbe „neuro“ verbreitete ihren Glanz zuerst in Laboren und Studierstuben: Aus Biologen wurden Neurobiologen, aus Pädagogen Neuropädagogen, aus Informatikern Neuroinformatiker. Der Hype „die Nerven betreffend“ macht auch vor Chemikern, Linguisten, Philosophen, Physikern oder Ökonomen nicht Halt. Dann der Ritterschlag im Feuilleton: Spätestens mit der Diskussion um den freien Willen eroberten neurowissenschaftliche Erkenntnisse und Fragestellungen die Welt jenseits der Universitäten.</strong></p>
<p>Doch was steckt eigentlich drin, wo „neuro“ draufsteht? Eines ist klar, ein Fach, das sich mit dem Aufbau und der Funktionsweise von Nervensystemen befasst, kann nur interdisziplinär angelegt sein. Wie ließen sich Struktur und Funktion von Nervensystemen anders erforschen als mit Hilfe biologischer, chemischer, physikalischer, medizinischer und psychologischer Fragestellungen, Methoden und Arbeitstechniken? Ein neurowissenschaftliches Studium ist ein interdisziplinäres Studium par excellence.</p>
<p>Was passiert im Gehirn dementer Menschen? Wie denken und fühlen Autisten? Wie regeneriert sich das Gehirn nach einem Schlaganfall? Wie lernen Kinder?  Solcherart Fragen implizieren nicht nur einen Forschungs-, sondern auch einen Handlungsauftrag. Sie verlangen nicht nur fundierte Antworten, sondern auch deren Weiterführung in praktische Anwendungen: Medikamente und medizinische Hilfsmittel, Therapieansätze, Lehrpläne. Und ja – auch in der ausgefeilten Ladeneinrichtung, der passgenauen Werbung oder dem perfekten Produktdesign steckt jede Menge „neuro“ drin: Neuromarketing.</p>
<p>Es waren zwei Entwicklungen, die den Neurowissenschaften in den vergangenen Jahren solchen Auftrieb verliehen haben: einerseits die Entwicklung moderner bildgebender Verfahren. Man kann so sichtbar machen, wie verschiedene Hirnareale zusammenspielen, zum Beispiel beim Sprachverstehen oder der Verarbeitung von Musik. Andererseits gab es auch enorme Fortschritte bei der Erforschung der untersten neuronalen Organisationsebene – den einzelnen Zellen und Molekülen. „Wir verstehen inzwischen also ganz gut, was auf der oberen und der unteren Ebene passiert. Das große Rätsel ist das dazwischen. Wie das Gehirn als Netzwerk arbeitet, ist weitgehend unverstanden. Das geht bis hin zu der Frage, wie Psychopharmaka wirken oder was bei einer Psychotherapie abläuft im Gehirn, warum das bei dem einem klappt und beim anderen nicht“, sagt der renommierte Hirnforscher Gerhard Roth.</p>
<p>Der Forschungsbedarf ist groß – und auch die Angebote für Studierende und Absolventen mit Interesse an neurowissenschaftlichen Fragestellungen nehmen zu. Es gibt Graduierten-Programme, Förderprogramme, Sonderforschungsbereiche, Bachelor- und Master-Studiengänge. Gelangte man früher nur auf dem Umweg über verwandte Wissenschaftsbereiche wie Biologie oder Medizin zur Neurowissenschaft, so kann man heute Neurowissenschaften als eigenständiges Fach studieren. Zum Beispiel an der Universität Köln. Mit einer häufigen Fehleinschätzung vor Studienbeginn räumt der Referent des Studiengangs Neurowissenschaften, Samir Delonge, jedoch auf: „Viele Studieninteressenten denken erstmal nur ans Gehirn und nicht an das Nervensystem in seiner Gesamtheit. Die Komplexität des Nervengewebes und neuronaler Prozesse generell wird dabei unterschätzt“, betont Delonge. Ein großes Plus in Köln sei die Verbindung zur medizinischen Fakultät. So sehen die Studenten die Krankheitsbilder am Patienten – und nicht nur im Lehrbuch. „Allerdings geschieht dies mit dem Ziel, diese Erkenntnisse in Forschungsfragen einzugliedern.“ Wer sich in Köln das theoretische und praktische Rüstzeug eines Neurowissenschaftlers angeeignet hat, kann sich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Industrie oder an den Forschungseinrichtungen der Universitäten bewerben. „Durch den starken Zuwachs biomedizinscher Forschung in Universitäten und Industrie besteht generell ein steigender Bedarf an Mitarbeitern mit entsprechendem theoretischen und praktischen neurowissenschaftlichen Hintergrund“, sagt Delonge. Die meisten Bachelorabsolventen strebten allerdings ein Masterstudium an, um Ihr Wissen weiter zu vertiefen. „Und von denen wiederum promovieren die meisten.“</p>
<p>Zum interdisziplinären Fäckerkanon, der für die Neurowissenschaften relevant ist, zählen nicht nur die klassischen naturwissenschaftlichen Fächer, sondern auch die Geisteswissenschaften. Der an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg angebotene Bachelor-Studiengang Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition (PNK) zäumt das Pferd von eben dieser Seite auf: „Das Ziel von PNK besteht darin, naturwissenschaftlich informierte Geisteswissenschaftler auszubilden – und nicht geisteswissenschaftlich informierte Naturwissenschaftler“, sagt Studienberater Wolfgang Barz. Entsprechende Fragestellungen seien zum Beispiel: Welche ethischen und moralischen Konsequenzen würden sich aus der Annahme ergeben, dass der freie Wille eine Illusion ist? Verdient niemand Strafe? Sind alle unschuldig? Sollen wir die Gefängnistore öffnen? „Um solche Fragen kompetent beantworten zu können, müssen Philosophen wissen, was genau Neurowissenschaftler mittlerweile alles über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns herausgefunden haben“, erklärt Barz.  Als nüchterne Sacharbeit, die der Wahrheit verpflichtet ist, sieht er die Philosophie.  „Wir sollten damit aufhören, hochgestochenes und verblasenes Zeug zu reden, das ohnehin nur Eingeweihte verstehen können.“ Wer den Drang zu solcher Denkarbeit verspürt, der sollte intellektuelle Neugier, geistige Beweglichkeit, Hartnäckigkeit, Eigensinn, Kritikfähigkeit und Freude am Diskutieren und Schreiben mitbringen. Berufliche Einsatzfelder für PNK-Absolventensieht Barz im Verlags- und Pressewesen, in Medieninstitutionen, insbesondere in der Wissenschaftspublizistik, bei Stiftungen und im Marketing-Bereich.</p>
<p><em>Eva Stern | <a title="Karriere" href="http://www.karrierefuehrer.de/" target="_blank">Karriereführer</a> Hochschulen Naturwissenschaften 09/10 | Foto: Dieter Schütz <a title="Pixelio" href="http://www.pixelio.de" target="_blank">www.pixelio.de</a></em></p>
<p><em>Mehr zum Thema: <a href="http://www.schnelllaeufer.de/2009/11/blick-ins-hirn/" target="_self">Blick ins Hirn</a><br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
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		<title>Kompass für Aufschieber</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 20:31:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rede und Antwort]]></category>
		<category><![CDATA[Sein und Werden]]></category>
		<category><![CDATA[Aufschieber]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ständig Arbeit liegen lässt, kann Dringlichkeit und Wichtigkeit nicht unterscheiden, sagt der Motivationstrainer Stefan Frädrich und erklärt, wie man es besser machen kann.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/10/Frädrich_Text.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-560" title="Frädrich_Text" src="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/10/Frädrich_Text-251x300.jpg" alt="Frädrich_Text" width="251" height="300" /></a>Wer ständig Arbeit liegen lässt, kann Dringlichkeit und Wichtigkeit nicht unterscheiden, sagt der Motivationstrainer Stefan Frädrich und erklärt, wie man es besser machen kann. </strong></p>
<p><em>Störe ich Sie gerade?</em><br />
Überhaupt nicht. Ich bin nur gerade im Aufzug und muss noch kurz was aus dem Büro holen.</p>
<p><em>Dann rufe ich in zehn Minuten noch mal an&#8230;</em><br />
Nein, wir wollen ja gar nicht erst anfangen mit dem Aufschieben.</p>
<p><em>Und jetzt erzählen Sie mir bloß noch, dass Sie nach unserem Gespräch sofort weiterarbeiten, sobald Sie den Hörer aufgelegt haben.</em><br />
Na klar.</p>
<p><em>Glückwunsch! Das schaffen nicht viele.</em><br />
Ja, weil die meisten Leute Dringlichkeit mit Wichtigkeit verwechseln. Es ist doch so, dass viele am Ende des Tages zwar ganz viele ganz dringende Sachen erledigt haben, aber trotzdem nichts wirklich Wichtiges geschafft haben. Sie haben sich ablenken lassen. Sie haben den ganzen Tag nur reagiert statt selbst zu agieren.</p>
<p><em>Und was raten Sie nun den Aufschiebern dieser Welt?</em><br />
Ich arbeite gerne mit folgendem Bild: Sie haben die Aufgabe, eine Vase mit Sand, Kieselsteinen und Pflastersteinen zu füllen. Womit fangen Sie an?</p>
<p><em>I</em><em>ch fürchte, ich gehöre zur Spezies der Verpeilten und fange mit dem feinkörnigsten Material an, also: Sand, kleine Steine, zum Schluss ein netter Felsen drauf. Fertig ist meine wildromantische Strandidylle.</em><br />
Ich fange mit den großen Brocken an und lege alle in die Vase. Dann kommen die Kieselsteine dazu und zum Schluss lasse ich den Sand darauf rieseln. Bei diesem Arrangement bleibt nichts übrig. Und es passt sogar noch Wasser in die Vase.</p>
<p><em>Toll. Sie haben alles verbaut. Aber meins sieht einfach besser aus&#8230;</em><br />
Hm. Das muss ich jetzt so stehen lassen. Was ich damit zeigen will, ist folgendes: Es liegt an uns allein, unsere Aufgaben zu arrangieren; zu definieren, eigenständig zu entscheiden, was wann wo wichtig ist. Nur so verliert man im Dschungel nicht die Orientierung. Leider werden wir während unserer Ausbildung darauf nicht optimal vorbereitet.</p>
<p><em>Stimmt. Und was machen nun die ohne Kompass?</em><br />
Aufpassen, dass sie nicht gefressen werden. Im Ernst: Ich muss wissen, was ich überhaupt will, was wichtig ist &#8211; und mich dann organisieren. Ich halte nichts von straffen Tagesplänen. Wir sind keine Maschinen. Ich arbeite mit Wochenzielen, definiere sozusagen meine Pflastersteine. Kies und Sand kommen von ganz allein dazu. Mails, Anrufe, neue Aufgaben. Das ist auch völlig in Ordnung. Denn ich muss bei aller Organisation auch flexibel bleiben.</p>
<p><em>Klingt, als sei es machbar&#8230;</em><br />
Auch der Verpeilteste kann diese Art zu denken und zu handeln lernen. Das geht sogar recht schnell, weil sich bald Aha-Erlebnisse einstellen werden, die einen darin bestätigen, selbst zu denken und aktiv zu werden. Also raus aus der Wiederkäuer-Komfortzone. Werden Sie vom Schaf zum Raubtier.</p>
<p><em>Das erhöht meine Überlebenschancen im Dschungel sicher. Darf ich trotzdem manchmal Schaf sein?</em><br />
Bitte. Den puren Aktionismus empfehle ich ja auch nicht. Man braucht zwischendurch immer wieder Zeit zur Reflexion. Man muss sich mal zurücklehnen und schauen: Geht das, was ich mache, auch insgesamt in die richtige Richtung.</p>
<p><em>Schiebt der Motivator auch unliebsame Aufgaben vor sich her?</em><br />
Ja, sicher. Unten im Flur wartet zum Beispiel noch ein neuer Balkontisch darauf, dass er zusammengebaut wird. Solange eine Arbeit bei mir liegen bleibt, heißt das, dass sie im Moment auch nicht wichtig ist. Irgendwann werde ich den Tisch brauchen und ihn dann aufbauen. Aber bis dahin mache ich mir deswegen keine Rübe.</p>
<p><em><strong>Zur Person</strong></em><br />
Stefan Frädrich promovierte zu einem Persönlichkeitspsychologie-Thema, arbeitete als Arzt in der Ulmer Uni-Psychiatrie, bildete sich zum Betriebswirt (IHK) fort und war in der Geschäftsführung eines mittelständischen Textilhandels tätig. Dann machte er sich als Trainer, Coach und Consultant selbstständig. Bekannt wurde er durch seine Bestsellerbücher („Günter, der innere Schweinehund“, Besser essen – Leben leicht gemacht“), TV-Sendungen (Pro 7, SAT1, WDR, Focus Gesundheit), als Seminar-Entwickler (z. B. Nichtraucher in 5 Stunden“) sowie als Speaker, Referent und Moderator.</p>
<p><em>Eva Stern | <a title="Karriere" href="http://www.karrierefuehrer.de" target="_blank">Karriereführer</a> Hochschulen Wintersemester 09/10 </em><em>| Foto: Daniel Krause</em></p>
<p><em>Mehr zum Thema: <a href="http://www.schnelllaeufer.de/2009/11/was-lange-wahrt-wird-auch-nicht-gut/" target="_self">Was lange währt, wird auch nicht gut</a><br />
</em></p>
<p><a href="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/10/Interview_Stefan_Frädrich.pdf" target="_blank">Originalartikel</a><br />
<em>Mit freundlicher Genehmigung der Transmedia GmbH &amp; Co. K</em><em>G</em></p>
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		<title>Was lange währt, wird auch nicht gut</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 08:15:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sein und Werden]]></category>
		<category><![CDATA[Aufschieber]]></category>
		<category><![CDATA[Aufschieberitis]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Prokrastination]]></category>
		<category><![CDATA[prokrastinieren]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines muss man den Zauderern dieser Welt lassen: Sie erzählen einfach die besseren Geschichten. Vom Deadline-Kick und dem Kreativitätsrausch in der letzten Minute zum Beispiel. Die Schattenseiten des Aufschieber-Lebens werden dabei gerne verschwiegen.]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Eines muss man den Zauderern dieser Welt lassen: Sie erzählen einfach die besseren Geschichten. Vom Deadline-Kick und dem Kreativitätsrausch in der letzten Minute zum Beispiel. Die Schattenseiten des Aufschieber-Lebens werden dabei gerne verschwiegen.</strong></p>
<p>Aufregend sind sie &#8211; die Kriegsberichte von der Aufschieberfront. Wie da mit einer großen Charmeoffensive der Professor so lange umgarnt wird, bis er den Abgabetermin für die Hausarbeit ein drittes Mal verlängert. Und wie eben jene Hausarbeit dann aber wirklich auf den allerletzten Drücker im Posteingang landet, nachdem man den HiWi an der Pforte bestochen hat. So ist das mit den Berichten von der Front: Es sind Heldengeschichten.</p>
<p>Um die Schäden kümmern sich andere. Der Psychologe und Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert zum Beispiel. Als Leiter der „Zentraleinrichtung Studienberatung und psychologische Beratung“ an der Freien Universität Berlin hat er schon etlichen Aufschiebern hinter die Heldenmaske geschaut und die Verletzungen gesehen: die Selbstzweifel, die Scham, die Schuldgefühle, die Angst, das schwindende Selbstwertgefühl.</p>
<p>Aufschieber leiden und sie müssen hart an sich arbeiten, wenn sie ihr Vertagungs-Verhalten in den Griff bekommen wollen. Deshalb hat Rückert auch so seine Probleme mit dem Begriff „Aufschieberitis“. „Bei der Endung ,-itis&#8217; denkt man immer an eine Entzündung. Und das legt nahe, dass man das Aufschieben genau wie eine Entzündung mit Medikamenten einfach heilen könnte. Das geht aber leider nicht.“</p>
<p>Das ewige Vor-sich-Herschieben kann man bedeutungsschwanger auch „Prokrastination“ nennen. Das raubt dem tagtäglichen „Aufschieben“ seinen banalen Charakter und lässt es schwer nach Krankheit klingen. Aber wann wird Aufschieben wirklich pathologisch? Aufschieben an sich ist ja nicht immer eine schlechte Option. „Auf jeden Impuls hin sofort loszukacheln, ist nicht produktiv. Zu wissen, wann und wie ich am wirksamsten handeln kann – das ist die wahre Lebenskunst und das A und O der Geschichte“, sagt Studienberater Rückert. Abwarten und Tee trinken ist durchaus erlaubt und bisweilen vorteilhaft. Nur sollte man eben irgendwann zur Tat schreiten. „Erlediger“ passen diesen Zeitpunkt ab, Aufschieber verpassen ihn.</p>
<p>„Aufschieber tun nicht das, was ansteht und von ihnen selbst auch ganz klar als vorrangige Aufgabe bestimmt wurde, sondern sie tun stattdessen irgendetwas anderes“, erklärt Rückert. Dabei ist Aufschieber nicht gleich Aufschieber. Sogenannte Erregungsaufschieber brauchen den Nervenkitzel, um in die Gänge zu kommen. Besser gesagt: Sie <em>glauben</em>, ohne den Kick der allerletzten Minute gar keine Höchstleistungen vollbringen zu können und lassen es sich einstweilen auf der sprichwörtlichen langen Bank gut gehen. Wie in einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung kennen die Erregungsaufschieber dann wirklich nur noch den Hochdruck- und den Chill-Modus. Ein Leben in schwarz und weiß. Das Grau bleibt den Langweilern vorbehalten. Unter dem Lifestyle-Deckmäntelchen tarnt sich diese Macke ganz modisch als „Entschleunigung“ und wird bevorzugt von vermeintlich besonders kreativen Menschen gerne und oft bemüht. Das Gegengift: Einmal den Rausch spüren, wenn eine Aufgabe ganz selbstbestimmt, pünktlich und gut erledigt ist.</p>
<p>Für Vermeidungsaufschieber wird die lange Bank zur Ersatzbank. Sie warten nicht auf den Motivationskick. Sie sitzen nur dort, weil das Erledigen der selbst gewählten(!) Aufgabe für sie noch unangenehmer wäre. Statt Referate vorzubereiten und Hausarbeiten zu schreiben checken sie minütlich ihre Mails, backen Kuchen, putzen den WG-Kühlschrank oder verzetteln sich im Internet. Sie vermeiden so die Konfrontation mit negativen Gefühlen. Angst vor Misserfolg etwa oder das Eingeständnis, der Aufgabe in Wirklichkeit gar nicht gewachsen zu sein. „Es sind oft sehr stark konflikthafte Gründe, die hinter dem Aufschiebeverhalten stecken“, sagt Rückert. Deshalb seien neben all jenen Menschen, die einfach nur nicht wissen, wie gekonntes Erledigen funktioniert, vor allem Perfektionisten, Selbstüberschätzer oder zwanghafte Menschen fürs Aufschieben prädestiniert. Rückerts Empfehlung: Selbstakzeptanz statt Schuldgefühle und Selbsterkenntnis statt Verdrängung. Was sind meine wahren Ziele? Warum schiebe ich auf? Wovor habe ich Angst? Wann hat das begonnen? Ist es vielleicht besser, kleinere Brötchen zu backen? Vielen Betroffenen weist diese Reflexion bereits einen Weg raus aus ihrem Aufschieber-Dasein &#8211; und mit den richtigen Arbeitstechniken bleiben sie auch dauerhaft auf der Erledigerspur. Denn die gute Nachricht lautet: Aufgabenbewältigung ist lernbar. Dazu gehört vor allem das Setzen von Prioritäten, sagt der Motivationstrainer und Coach Dr. Stefan Frädrich.</p>
<p>Neu ist das Aufschiebe-Phänomen an deutschen Universitäten und Hochschulen natürlich nicht. Doch während amerikanische Studenten ihr Problembewusstsein schon vor Jahrzehnten mit „I&#8217;m a Procrastinator“-T-Shirts zur Schau stellten, ließ es sich hierzulande lange recht komfortabel prokrastinieren. Keine Anwesenheitspflicht, kein fester Stundenplan, vergleichsweise geringer finanzieller Druck: Aufschieben gehörte da fast schon zum guten Ton. Aber seit Einführung von Studiengebühren, der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge mit klar definierten Leistungsanforderungen und der ständigen Jagd nach Drittmitteln wächst der Problemdruck. „Die hohe Verbindlichkeit setzt sowohl den einzelnen Studenten als auch die Institution Universität unter enormen Druck“, hat Rückert beobachtet. „Während aber die angelsächsischen Universitäten ein entsprechend ausgebautes und relativ breites Unterstützungssystem haben, bilden wir uns ein, die neuen Studienbedingungen mit weniger Personal zu meistern. Das kann nicht gut gehen“, gibt der Studienberater zu bedenken.</p>
<p><em>Eva Stern | <a title="Karriere" href="http://www.karrierefuehrer.de" target="_blank">Karriereführer</a> Hochschulen Wintersemester 09/10</em></p>
<p><em>Mehr zum Thema: <a href="http://www.schnelllaeufer.de/2009/11/kompass-fur-aufschieber/" target="_self">Kompass für Aufschieber</a><br />
</em></p>
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		<title>Blick ins Hirn</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 08:10:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Man muss nicht hochbegabt sein, um mit Erfolg zu studieren, sagt der Hirnforscher und Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes, Professor Gerhard Roth. Ein Gespräch über Intuition und Emotion – und was beides mit dem Lernen zu tun hat. Herr Professor Roth, auch wenn der eine oder andere jetzt sein Selbstbild vom sachlich abwägenden Naturwissenschaftler [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/10/Gerhard_Roth_Text.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-579" title="Gerhard_Roth_Text" src="http://schnelllaeufer.de/wp-content/uploads/2009/10/Gerhard_Roth_Text-199x300.jpg" alt="Gerhard_Roth_Text" width="199" height="300" /></a>Man muss nicht hochbegabt sein, um mit Erfolg zu studieren, sagt der Hirnforscher und Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes, Professor Gerhard Roth.  Ein Gespräch über Intuition und Emotion – und was beides mit dem Lernen zu tun hat.</strong></p>
<p><em>Herr Professor Roth, auch wenn der eine oder andere jetzt sein Selbstbild vom sachlich abwägenden Naturwissenschaftler in Frage gestellt sieht: Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach sind jede Menge Emotionen im Spiel – oder?</em><br />
Sicher. Das ist bei allen Entscheidungen so. Kein Mensch lässt sich rein rational leiten.</p>
<p><em>Sie klingen gerade so, als wollten Sie noch „Und das ist auch gut so“ hinterher schieben&#8230;</em><br />
Da muss man zwei wichtige Dinge  unterscheiden. Mit einer rein affektiven Entscheidung, wie sie unter Zeitdruck getroffen wird, liegt man häufig falsch. Wir reden hier von einer  emotional-intuitiven Entscheidung. Die ist nicht wirklich logisch-rational, aber eben auch keine reine Bauchentscheidung. Sie ist lange gereift. Diese Intuition ist etwas, was man bisher wenig verstanden hat, was aber jetzt zunehmend ins Interesse der Forschung rückt. Intuitionen sind ein Gemisch von Gefühlen und ganz stark kondensierter Erfahrung. Die neuere Forschung hat gezeigt, dass die aufgeschobene intuitive Entscheidung die beste ist.</p>
<p><em>Gehen wir also einmal davon aus, dass sich jemand – auch – aus Leidenschaft für ein naturwissenschaftliches  Studium entschieden hat: Ist Leidenschaft eine gute Voraussetzung für Lernerfolg?</em><br />
Neben Intelligenz ist das die wichtigste. Der spätere Berufserfolg hängt von drei Faktoren ab. Nämlich von  Intelligenz beziehungsweise Begabung, von Motivation und von Fleiß. Das ist so trivial wie es richtig ist. Intelligenz ist also nur einer von drei Faktoren. Man kann ein leichtes Minus an Intelligenz durch Fleiß und Motivation ausgleichen. Man muss nicht immer hochbegabt und hochintelligent sein. Leidenschaft ist die stärkste motivationale Antriebskraft. Wenn jemand aus Leidenschaft etwas studieren will, lässt er sich durch nichts und niemanden davon abbringen. Wenn keine Emotionen im Spiel sind,  wird es schwierig. Dann kommt die zweite, dritte und vierte Disziplin und man studiert so lust- wie erfolglos vor sich hin.</p>
<p><em>Was passiert beim Lernen aus neurowissenschaftlicher Perspektive?</em><br />
Beim Lernen verändern sich die Verbindungen  zwischen den Nervenzellen. Ganz am Anfang haben wir etwa doppelt bis viermal so viele Verbindungen. Die werden dann über 20 Jahre hinweg abgebaut. Das passiert in der frühen Kindheit sehr schnell. Das Gehirn verdrahtet sich am Anfang relativ wahllos, dann immer zielgerichteter. Alles wird weggelassen, was nicht benutzt wird.  Es verarmt also – aber im guten Sinne. Wie bei einem Obstbaum, bei dem man Äste zurückschneidet, damit er besser tragen kann.</p>
<p><em>Aber irgendwann steht das Profil und man erkennt, wie der Baum grundsätzlich wachsen wird. Bei guter Pflege trägt er beständig Früchte&#8230;</em><br />
Richtig. Beim schulischen Lernen geht es um die Verstärkung oder Abschwächung der vorhandenen Kontakte. Das kann man sich als ein kompliziertes System von Wasserschläuchen vorstellen, die durch Ventile miteinander verbunden sind. Man kann jetzt die Ventile aufdrehen oder zudrehen, stärker oder schwächer öffnen und dadurch fließt der Erregungsstrom – sprich das Wasser – auf anderen Wegen durch das Netzwerk als vorher. In unserem  Gehirn ändert sich das im Sekundentakt. Ständig werden Milliarden oder Millionen von Synapsen – also Zellkontakten –  gestärkt oder abgeschwächt oder bleiben gleich. Das ist das Substrat von Lernen.</p>
<p><em>Und der Lerneffekt hängt dann davon ab, welches Ventil ich wie lange und wie stark öffne?</em><br />
Wenn Sie so wollen. Flexible Ventile, die immer nur vorübergehend auf- und zugedreht werden, sind demnach kennzeichnend für das Kurzzeitgedächtnis. Das hält nur ein paar Minuten an. Beim Langzeitgedächtnis werden bestimmte Ventile langfristig auf- und andere zugedreht. Das Ventil rostet sozusagen in dieser Stellung ein und kann, wenn überhaupt, nur sehr schwer bewegt werden. Der Übergang vom Kurzzeit- zum Langzeitgedächtnis ist ein ungeheurer Selektionsprozess, eine extreme Konzentration auf das Wesentliche.</p>
<p><em>Also genau das, was Absolventen brauchen, um das Examen zu meistern&#8230;</em><br />
Und das werden sie auch. Das Wichtigste beim Lernen sind Aufmerksamkeit und Interesse. Interesse aktiviert einen Kontext in meinem Gehirn vor. Da passt das, was ich neu erfahre, genau hinein.</p>
<p><em>Nun ist man aber nicht an allen Dingen so brennend interessiert, die in der Prüfungsordnung stehen.</em><br />
Ja. Man muss sich leider manchmal furchtbar zum Lernen zwingen. Im Gegensatz zum Interesse kann ich die Aufmerksamkeit aber willentlich befördern, indem ich zum Beispiel eine Atmosphäre schaffe, in der ich konzentriert arbeiten kann. Und noch zwei andere Faktoren sind wichtig. Zum einen das bereits vorhandene Wissen. Je mehr ich über eine Sache schon weiß, desto besser kann ich neues Wissen zu diesem Thema aufnehmen. Der vierte große Faktor ist die Vertrauenswürdigkeit der Quelle, aus der ich meine Informationen bekomme. Wenn da eine Lusche vor mir steht, traut mein Gehirn den Informationen nicht.</p>
<p><em>Zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Welche Voraussetzung muss man mitbringen, um Neurowissenschaftler zu werden?</em><br />
Neben Grundtugenden wie Fleiß und Ausdauer sollte man Expertenwissen in einem relevanten Fach mitbringen. Ob das nun Physik, Medizin, Biologie, Philosophie oder Linguistik ist, spielt keine Rolle. Für alles andere braucht man nur Begeisterung.</p>
<p><em>Eva Stern | <a title="Karriere" href="http://www.karrierefuehrer.de/" target="_blank">Karriereführer</a> Hochschulen Naturwissenschaften 09/10</em></p>
<p><em>mehr zum Thema: <a href="http://www.schnelllaeufer.de/2009/11/totale-vernetzung/" target="_self">Totale Vernetzung</a><br />
</em></p>
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